Donnerstag, 1. September 2016

und so sieht es jetzt aus...

auf der Zielgeraden rund um mein Gesundwerden
bin ich deutlich angekommen
und vieles geht mir wieder viel lockerer von der Hand...


gleichzeitig bleibt immer noch die Anstrengung,
auch auf den letzten Metern nicht schlapp zu machen
und rund um die Schule einen guten Weg für mich zu finden

Zu Beginn der Ferien hatte ich in einem Ausblick überlegt,
aus meiner Sicht mal ein paar "Tipps" zusammenzufassen,
die unterstützen und Mut machen könnten,
wie man mit erkrankten Mitmenschen umgehen kann.
Oft ist der Umgang mit Krankheit erschwert,
weil man unsicher ist und sich überfordert fühlt,
die eigene Angst vor Krankheiten ein abhält
oder gemeinsamer Alltag plötzlich keine Verbindung mehr darstellt
und das Interesse an meinen Überlegungen war damals deutlich sprürbar...


Seitdem grübele ich,
wie ich meine Sicht auf die Dinge zusammenfassen kann,
letztlich um Mut zu machen,
Begegnungen mit erkrankten Menschen positiv zu gestalten,
anstatt sie möglichst zu vermeiden...

Mir war es immer wichtig,
mich rund um meine Erkrankung nicht zu isolieren,
auch wenn es immer wieder Momente gab,
in denen ich mich in meiner eigenen Haut so wenig zu Hause fühlte,
dass mir durchaus nach Rückzug war...
 
so habe ich zu Beginn meiner Erkrankung 
gemeinsam mit zwei Freundinnen
ein Helfernetz organisiert,
um in den 18 Wochen der Chemotherapie
(Februar bis Anfang Juni)
eine verlässliche Begleitung zu haben,
und vieles, was an Hilfe möglich und zum Schluss auch sehr nötig war,
auf vielen Schultern zu verteilen...
So wusste ich von Anfang an, wer an welchen Tagen
mein Ansprechpartner ist, 
um mich rund um meinen Alltag zu unterstützen
und neben diesem ganz festen Halt haben sich dann 
auch weitere tausend Kleinigkeiten ergeben,
die mir in den vielen Wochen 
eine unglaubliche Bereicherung und Unterstützung waren...
 
gleichzeitig war ich auch in dieser Zeit immer bemüht,
mein wirklich wunderbar funktionierendes Helfernetz so zu pflegen,
dass es eine gute und runde Sache wird und bleibt
und rückblickend kann ich sagen,
dass wir hier alle gemeinsam durchgängig zufrieden waren... 

Wenn ich jetzt ein Fazit ziehe,
dann würde ich sagen,
dass man in kleinen Schritten auch durch schwere Zeiten kommen kann.
Die Sinne sind geschärft, es ist eine sehr emotionale Zeit
und die Bedürfnisse und die Empfindlichkeiten,
die man entwickelt sind immer wieder aufs Neue überraschend
und können leicht zu wirklichen Stolperstellen werden...
Wenn man sie nimmt, wie sie kommen, 
diese Stolperstellen,
und dann aber auch wieder ziehen lässt,
dann kann man sehr gestärkt aus so einer Zeit herausgehen...
 
Für all die Menschen, die mir begegnet sind,
habe ich eine unglaubliche Wertschätzung.
Wirklich gut getan und geholfen hat es mir,
wenn sie es schafften, sich im ersten Moment einer Begegnung
erst einmal auf mich einzustellen
und nach meinem Befinden zu fragen,
keine Erwartungen an mich zu stellen
(nun werde doch bitte schnell wieder die Alte)
und sich dann im zweiten Moment auch selbst einzubringen...

Vielleicht ergibt sich ja hier wieder ein kleiner Austausch,
denn das Thema ist so umfassend
und es gibt so viele Kleinigkeiten,
die dann doch eine große Rolle spielen könnten,
dass ich tausend Dinge weggelassen habe,
um hier den Bogen nicht zu überspannen.
Vielleicht ist ja doch der eine oder andere Gedanke dabei,
der euch anregt und mutig sein lässt,
auch das positiv zu nehmen, 
was einem auf den ersten Blick gar nicht gefällt.

LG Gille
 
 
 


Kommentare:

  1. Liebe Gille,
    Danke für die Offenlegung deiner Gedanken. Viele davon kann ich sehr gut nachvollziehen. Als unser Sohn vor einigen Jahren schwerbehindert auf die Welt kam, dachte ich wochenlang " das wars jetzt. .. das leben wird nie mehr so locker, fröhlich, spontan, lustig sein....Oh man warum wir ???"
    Zum Glück konnten wir in kleinen Schritten auch einen helferkreis aus Familie, Freunden, Therapeuten, Ärzten und anderen lieben Menschen bilden, die uns unterstützen, tipps geben, auffangen wenn es mal wieder ganz dunkel wird.
    Rückblickend hat uns unser Sohn so vieles gezeigt und gelehrt, uns oft die Augen geöffnet und unseren Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge gelenkt. Schwere Zeiten oder große Herausforderungen können bewältigt werden und man kann gestärkt daraus hervorgehen. Nichts desto trotz hast du in letzter Zeit bestimmt viel kraft gebraucht und hattest Momente der Verzweiflung. Ich freue mich sehr, dass du den weg bis hierhin so gut gemeistert hast und die Stärke hast, das erlebte öffentlich in Worte zu fassen.

    Alles liebe,
    Kati

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    1. Liebe Kati,
      danke für deine nette Rückmeldung und persönlichen Ergänzungen! Ich denke, dass du schwere Zeiten sehr ähnlich zusammenfasst wie ich und die unendlich vielen, fassettenreichen Momente auch in eurem Leben eine wichtige Rolle spielen. In einem Alltag ohne Höhen und Tiefen können sie schnell verloren gehen.
      Auch dir weiterhin alles Gute und die Kraft, die du täglich aufs Neue brauchen wirst.
      LG Gille

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  2. Liebe Gille
    einfach nur danke! Mir ging es ähnlich wie Kati, habe auch ein behindertes Mädchen. Ich hätte es gar nicht so beschreiben können wie du oben. Aber das verdeutlicht es den Nicht-Betroffenen, wie sie helfen können. Mir fehlen die Worte, daher nur: danke!
    Anne Mone

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    1. ...und mein Dank geht zurück, denn auch wenn es sich für dich so anfühlt, als fehlten dir die Worte, so ist deine Botschaft doch angekommen. Sicher nicht nur bei mir, sondern auch all denen, die hier in den Kommentaren lesen.
      Auch dir für jeden Tag aufs Neue alles Gute!
      LG Gille

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  3. Liebe Gille, es freut mich sehr zu lesen, dass du auf dem Weg zum Gesundwerden schon viele kleine und große Schritte gegangen bist. Ich finde es toll, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt. Ich lese und stöbere immer gern im Lernstübchen und habe schon vieles für meinen Unterricht verwenden können. Aber deine offene und ehrliche Art im Umgang mit deiner Krankheit geht weit über einfache Hilfe hinaus. Ich bin dir soo dankbar für deine offenen Worte, denn eine Freundin von mir ist an Krebs erkrankt und hat nun zwei Jahre gekämpft. Jetzt ist sie im Endstadium auf einer Palliativstation. Es fiel mir schwer, sie dort zu besuchen. Dennoch tat es gut, sie wieder zu sehen und mit ihr zu reden. Sich einfach zu trauen, etwas zu tun fällt oft schwer. Aber einfach gar nichts machen ist auch keine Lösung.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du wieder ganz gesund wirst und dich gut erholen und neue Kraft tanken kannst.

    Noch einmal ein ganz dickes DANKE!

    Ganz herzliche Grüße,
    Kirsch

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    1. Danke für deine ebenfalls sehr offenen Worte und guten Wünsche. Nichts zu tun ist selten das Richtig und es ist gut, immer wieder mit Beispielen daran zu erinnern, dass man sich auch selbst viel wohler fühlt, wenn man sich auf den Weg gemacht hat.
      Auch dir alles Gute, LG Gille

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  4. Liebe Gille, ich freu mich riesig, dass es mit dir langsam aber stetig bergauf geht :-)! Auch ich kann gut nachvollziehen wie es dir geht bzw. ergangen ist. Ich habe mit 34 Krebs gehabt, eine Lebertransplantation (inzwischen 19 Jahre her- Hallelujah) hinter mir und auch heute noch möchte ich -so pervers es vielleicht auch klingen mag- diese Erfahrung nicht missen. Sie gehört zu meinem Leben dazu, genauso wie die vielen unglaublichen Begegnungen mit all den Menschen, die mich jeweils ein Stück meines Weges begleitet haben. Es gibt Tage, da ist einem einfach nur zum Heulen, an anderen fühlt man sich so stark, dass man Bäume ausreißen könnte. Es wird besser, es verblasst und dann ist da wieder der normale Alltag, die Schule, die Kinder und alles was dazu gehört :-). Ich wünsche dir alles, alles Liebe und dass es weiterhin aufwärts geht!
    Ganz liebe Grüße,
    Gela

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    1. Vielen Dank für deine persönliche Rückmeldung. Ich würde es so sehen wie du. Auch ich würde das Jahr 2016 nicht aus meinem Leben streichen wollen, denn es hatte unglaublich viel Gutes. Wie das mit dem ganz normalen Alltag werden wird, das kann ich mir allerdings noch nicht vorstellen. Früher konnte ich mit dem Rücken zu den Kindern genau sagen, wer jetzt gerade Unsinn macht und oft waren die Kinder ratlos, weil sie nicht verstehen konnten, wie ich immer so unglaublich viel sehen konnte und heute kann ich mir kaum vorstellen, wie ich fünf Kinder gleichzeitig im Blick haben soll, auch ohne mich wegzudrehen. Im Prinzip habe ich im Augenblick genug damit zu tun, nicht im Weg rumzustehen.
      LG Gille

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  5. DANKE!!!
    ...........
    Für deine Zeilen!
    ............
    Lieben Gruß und weiterhin viele kleine Schritte Richtung Gesundheit gemeinsam mit deiner Familie und den guten Freunden!

    Vanessa

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  6. Liebe Gille,
    kennst du den Krankentröster von Jürgen von der Lippe? Er ist in einem ähnlichen Gedanken entstanden und kann glaube ich gerade Angehörigen gut helfen, die nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen.
    Schön dass du hier so offen schreibst, das macht vielen Menschen Mut. Alles Gute! Lotto-Fee

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    1. Das Buch kenne ich nicht, werde aber mal reinschauen.
      Und sollte es so sein, dass ich hier ein bisschen Mut machen kann, dann wäre das prima! Ich versuche immer, hier ein gutes Maß zu finden, denn ich möchte den Bogen auf keinen Fall überspannen.
      LG Gille

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  7. Danke für die deine Offenheit, das Teilen deiner Erfahrungen und Gedanken, nachdem du schon so viel Material so großzügig mit uns teilst! Alles Gute! Gisela

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    1. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen weiter!
      LG Gille

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